Der andere U-Boot-Krieg


Der Kampf alliierter U-Boote
gegen die deutsche und italienische U-Bootwaffe im WK II


Alliierte vs. deutsche U-Boote
Alliierte vs. italienische U-Boote
Alliierte vs. alliierte U-Boote
Literatur und Links
Die Autoren zum Thema


 

Zu Beginn eine Bemerkung in eigener Sache: Die angeführten Namen, Daten, Orte dienen nur der Angelegenheit ausführlicher und korrekter Dokumentation. Den Autoren sind die tragischen Schicksale der unten benannten Personen wohl bewusst. Ungefähr 90 Prozent der deutschen U-Bootbesatzungen fielen im Zuge der Einwirkung der benannten feindlichen U-Boote.  

Alliierte gegen deutsche U-Boote

Der Kampf U-Boot gegen U-Boot gehört sicherlich zu den Anekdoten des Zweiten Weltkrieges. Trotzdem gab es ihn. Mehr als 70 alliierte Angriffe gegen deutsche Tauchboote können eindeutig nachgewiesen werden, in neunzehn eindeutig geklärten Fällen folgte der Torpedierung die Versenkung. Besonders die Royal Submarine konnte einige Erfolge melden: Insgesamt 51 Angriffe und 13 Versenkungen. Die Anzahl der insgesamt siebzehn gefallenen deutschen U-Booten relativiert sich jedoch, wenn man bedenkt, dass von den mehr als 1400 in Dienst gestellten deutschen U-Booten (ohne Kleinst-U-Boote) ungefähr 1200 Boote auch zum Einsatz kamen.

Als erstes deutsches Unterseeboot traf es im Dezember 1939 die U-36 unter den unglücklichen Kplt. Frölich. Das in der Nordsee marschierende Boot des Typs VIIA konnte dem Torpedo-Fächer der britischen HMS Salman unter dem Kommandanten Bickford nicht mehr ausweichen.


Die von den Briten torpedierte U-36

Im Februar des darauffolgenden Jahres 1940 konnte sich dagegen die Besatzung der ebenfalls britischen HMS Narwhal südlich der Schetland-Inseln glücklich schätzen, als sie die Detonation ihrer Torpedos gegen die kleine U-63 (IIC) vernahmen. Doch noch war das angeschlagene Boot nicht vernichtet. Noch am selben Tag orteten die herbeigeeilten britischen Zerstörer Escort, Inglefield und die Imogen das sich auf Tauchgang befindende Schiff, in dem der Kommandant, Oblt. G. Lorenz, vermutlich alle Mühe hatte, das Boot auf Tiefe zu halten. Erst mit der nachfolgende Wabo-Verfolgung sank das Boot endgültig. Ebenfalls im Jahr 1940 torpedierte und versenkte vermutlich die HMS Cachalet den VIIB-Typ U-51 unter Kptlt. Knorr vor Nantes.

Gleichfalls im Jahr 1940 kam es zu einem Artilleriegefecht der HMS Triddent (Sladen) mit der U-31. Das VIIA-Boot, vermutlich unter Kplt. W. Prellberg, entzog sich jedoch dem Feuer des schweren Deckgeschützes der Briten mit nur leichten Schäden. Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich im Mittelmeer, wo im Dezember 1941 die britische HMS Talisman (Willmott) die deutsche U-561 (VIIC) ebenfalls mit Granatfeuer belegte, das deutsche Boot jedoch nicht wesentlich beschädigen konnte.

Im Jahr 1941 konnten die alliierten U-Bootmänner gleich zwei Erfolge gegen deutsche U-Boote melden. Im August ortete die russische SC-307 das IID-Boot U-144 unter dem Kommando von Kplt. G. v. Mittelstaedt. Der russische Kommandant Petrov reagierte schnell und versenkte das deutsche Boot nördlich von Hiiumaa. Im November schließlich sichtete der niederländische Kommandant Van Dulm mit seiner O-21 den VIIC-Typ U-95 südlich von Melilla. Auch dieses Boot unter Kptl. G. Schreiber konnte seinem Schicksal nicht entrinnen.


Ein niederländischer KXV-Typ mit einem Fokker-Wasserflugzeug auf dem Oberdeck

Im Jahr 1942 konnten endlich auch wieder britische U-Boote dem obersten Sea Lord Erfolge melden. Den immer zahlreicher werdenden deutschen U-Booten standen nun auch immer mehr Angriffe britischer Tauchboote entgegen. Die Angriffe dreier britischer Boote waren schließlich von Erfolg gekrönt. Im Januar 1942 versenkte die HMS Unbeaten (Woodward) U-374 (VIIC) unter dem Kommando von Oblt. v. Fischel im Mittelmeer. Im Monat darauf versenkte die HMS Sahib unter dem Kommandanten Bromage U-301 (VIIC) unter Führung von Kplt. Körner westlich von Korsika. Schließlich lauerte der britische Kommandant Lumby mit seiner HMS Saracen der U-335 (VIIC) nordöstlich der Färöer auf und versenkte das deutsche U-Boot unter Kptl. Pelkner im August 1942.

Im Jahr 1943 kam es zu einem Höhepunkt im alliierten Kampf U-Boot gegen U-Boot. Fünf deutsche U-Boote konnten die meist britischen Kommandanten auf ihr Konto verbuchen. Den Anfang machte die HMS Tuna unter dem Kommando von D.S.Martin. Im April sichtete sie die deutsche U-644 (VIIC, Oblt. Jensen) vor den Lofoten und torpedierte sie erfolgreich. Es folgte die Versenkung der U-303 (VIIC) südlich von Toulon im Mai 1943. Kptl. Heine konnte dem Fächer des britischen Kommandanten Drummond (HMS Sickle) nicht mehr ausweichen. Nachfolgend meldete der Brite Alexander mit seiner HMS Truculent einen Erfolg gegen U-308 (VIIC, Oblt. Mühlenpford) nordöstlich der Farör. Einen Totalverlust erlitt im August auch U-639 (VIIC), als der russische Kommandant P.I. Yegorov mit seiner S-101 das Boot des ahnungslosen Oblt. Walter Wichmann in der Karasee torpedierte. Unklar hingegen ist das Schicksal des deutschen VIIB-Bootes U-73 (Kplt. Deckert). Sowohl die HMS Ultimatum als auch die US-Zerstörer USS Wrolsey und USS Tripper erheben Ansprüche auf die Versenkung im Oktober nördlich vor Oran. Nach Angaben der amerikanischen Zerstörer fiel das Boot nach einem Artilleriegefecht.

Die zeitweise Einstellung der Atlantik-Operationen der deutschen U-Bootwaffe im Jahr 1944 ließ anfangs auch die Erfolge alliierter U-Boote zurückgehen. Trotzdem erreichte die alliierte U-Bootwaffe vier Erfolge gegen deutsche Boote. Im April gelang der norwegischen Ula ein ungewöhnlicher Schlag, als sie das VIIC-Boot U-974 (Kptl. Wolff) südlich von Karmsund erfolgreich torpedierte. Der Kommandant der Ula, Sars, näherte sich dabei der U-974 bis auf 1200 m. Die nachfolgende Detonation, so wurde berichtet, erschütterte das tauchende Boot der Norweger erheblich. Im Oktober schoß die niederländische Zwaardvisch das in der Java See marschierende IXC-Boot unter Kplt. Pich (U-168) ab. In der gleichen Region versenkte ein amerikanisches U-Boot, die USS Flounder, einen Monat später die U-537 (IXC/40) unter dem Kommandanten Kplt. Schrewe. Den Abschluß machte die britische HMS Venturer (Launders) ebenfalls im November 1944 mit der Versenkung der U-771 im Nordmeer, einem VIIC-Boot unter Oblt. Block .

Im Jahr der deutschen Niederlage konnten alliierte U-Boote (wie schon ein Jahr zuvor) vier Erfolge gegen deutsche U-Boote für sich verbuchen. Im Februar 1945 konnte die britische HMS Venturer, die schon gegen U-771 erfolgreich war, U-864 westlich von Bergen versenken, eines der größeren U-Boote vom Typ IX/D2 unter dem Kommando von Korv.Kpt. Wolfram. Es folgte im April die Versenkung der U-486 (VII C/ Oblt. Meyer) durch die HMS Tapir (Roxburgh) ebenfalls vor Bergen. Einen Monat später machte ein Russe auf sich aufmerksam, der Kommandant Mogilevskii, als er im März mit seiner L-21 das VIIC-Boot U-367 unter der Führung von Oblt. H. Stegemann ebenfalls erfolgreich torpedierte. Das deutsche Boot sank vor Helgoland. Abschließend ging die amerikanische USS Besugo im Kampf gegen die U-183 erfolgreich hervor. Das XIC/40-Boot unter dem Kommandanten Korv.Kpt. Schneewind sank vor Sumatra. Ironie des Schicksals, in der gleichen Region, wo Schneewind vor 28 Jahren (1.3.1917) das Licht der Welt erblickte.

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Alliierte gegen italienische U-Boote

Das besonders die British Submarine durchaus ernst zunehmende U-Bootjäger waren, zeigen auch die vierzehn versenkten italienischen U-Boote. Das ist besonders erwähnenswert, da die Royal Navy zu Beginn des Krieges nur 35, am Ende des Krieges 164 U-Boote besaß und einsetzte.
Im Mittelmeer sanken folgende italienische Boote nach britischem Angriff: Guglielmotti, Tricheco, Granito, Bianchi, Pier Capponi, Salpa, Jantina, Porfido, Ammiraglio St.Bon, Medusa, Remo, Acciaio, Pietro Micca, Vellela. Dazu kommt ein weiteres U-Boot, die türkische Atilay. Darüber hinaus torpedierte und versenkte die niederländische Dolfijn ein weiteres italienisches U-Boot, die Malachite. Dem selben niederländischen Kommandanten namens Van Oostrom gelang ein halbes Jahr später (Sept. 1943) ein wahres Husarenstück, als er mit seiner Dolfijn die italienische Corridoni aufrieb und kaperte. Van Oostrom befahl das italienische Boot zur Ergänzung nach Portoferraio. Dort sollte sich die Besatzung auflösen.



Die italienische Smg. Barbarigo zurück aus dem Atlantik

Alliierte gegen alliierte U-Boote

Wo gehobelt wird, da fallen Späne, lautet ein Sprichwort. Und das trifft auch auf den Einsatz der alliierten U-Bootwaffe gegen die U-Boote der Achsenmächte zu. Nicht in jedem Fall war die Identifizierung von U-Booten, besonders durch das Periskop, eindeutig. Insbesondere die deutschen U-Bootkommandanten verzichteten deshalb allzu oft auf Angriffe gegen vermeintliche Gegner, da die Silhouetten der großen britischen U-Boote, namentlich der T-Klasse, von denen der verbündeten und ebenfalls größeren italienischen U-Boote kaum unterscheidbar waren.

Beinah zu einer Katastrophe kam es schon im Jahr 1939, als die französische Antiope versehentlich ihre Landsmänner in der La Sybille angriff. Auch der russische Kommandant Stankevich (M-113) war der Meinung, ein feindliches U-Boot vor sich zu haben, als er (wahrscheinlich) an der ebenfalls russischen SC-208 vorbeischoß. Zu dem endgültigen Unglücksraben wurde der Kommandant der britischen Triton, Lt.Cdr. E.F. Rizey, als er im September 1939 die britische Oxley, ebenfalls ein Boot der S-Class (990 BRT), torpedierte und versenkte. Die tragische Oxley patrouillerte außerhalb der vorgesehenen Routen vor Norwegen, so das Rizey der Meinung war, ein feindliches Boot vor seinen Rohren zu haben. Noch im selben Monat torpedierte die britische Sturgeon ein weiteres Schwesterboot, die Swordfish. Deren Besatzung kam noch einmal mit einem Schrecken davon. Doch das Schicksal schlug zurück. Ausgerechnet die Spearfish, ein Boot der T-Class (1.602 BRT), sank nach einem Torpedofächer des deutschen VIIA-Bootes U-34 im Oktober 1940. Zu diesem Zeitpunkt wurde die U-34 von Oberleutnant zur See Fritz Mayer geführt (Danke für den Hinweis!). Alle diese tragischen Vorfälle veranlaßten auch die britischen Kommandanten zu erhöhter Vorsicht. So waren nunmehr besonders kleine bis mittelgroße U-Boote (bis 800 BRT) gerngesehene Ziele in den entsprechenden Einsatzgebieten, die insbesondere von der U-Bootwaffe der Achsenmächte bevorzugt wurden und eindeutig als solche lokalisiert werden konnten.

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Literatur und Links

Als Quelle diente uns hauptsächlich folgende Literatur: Allied Submarine Attacks of World War Two -European Theatre of Operation- von Jürgen Rohwer, J.S. Kay und I.N. Venkov (Bernard & Graefe Verlag 1996). Weiterführend ist zu empfehlen: Naval Staff History (Second World War) -Submarine-, Vol.I: Operation in Home, Northern and Atlantic Waters (Historical Section, Admirality, London 1990).

 

Die Autoren zum Thema

Wahrscheinlich mutet ein Hobby wie das Thema deutsche Tauchboote im WK II auf den ersten Blick etwas merkwürdig an. Vermutlich sind auch wir etwas ungleichen Brüder wie so manche Personen der Nachkriegsgeneration vor Jahren von dem Film "Das Boot" infiziert. Sicher ist diese Thematik die ideale Mischung für unsere technische und historische Neugier.

Zahlreiche Literatur und andere Medien wurden mittlerweile von uns 'aufgestöbert' und ausgewertet. Viele Antworten wurden gegeben, so manche Fragen bleiben jedoch nach wie vor offen. Und so entstand das große Thema: "DER ANDERE U-BOOT-KRIEG". Ausdrücklich wollen wir uns dieser Thematik dokumentarisch widmen, unsere persönliche Einschätzungen und Wertungen bleiben damit selbstverständlich außen vor. Außerdem verwehren wir uns ausdrücklich vor dem Versuch, die von uns zu betrachteten Teilaspekte bezüglich des Verlaufs des gesamten U-Boot-Krieges zu generalisieren. Überflüssig zu erwähnen, dass wir uns von extremistischen Tendenzen eindeutig distanzieren. Gerade die ergänzende Sichtweise der ehemaligen Kriegsgegner liegt uns ja am Herzen!

Was bedeutet nun der Titel "DER ANDERE U-BOOT-KRIEG"? Die Gebiete sind vielfältig: Technik, Strategie, Personalgeschichte oder Gesamthistorie. Dazu können Themen gehören wie beispielsweise "Das U-Boot: Die Waffe des Schwächeren?", "Deutsche Kleinst-U-Boote: Erfolg oder Misserfolg?" oder "Alliierte Matrosen im Kampf gegen die 'Grey Wolfs'".

Unserer Schwerpunkt liegt jedoch bei der Thematik:
"Vom Sieg zur Niederlage: Der Einsatz deutscher U-Bootmänner ab 1943".

Dazu sind wir auf Zeitzeugen angewiesen, die uns Auskunft geben können über ihre Gedanken und Einschätzungen in den beiden letzen Phasen des Krieges. Niedrige Dienstgrade sind besonders willkommen, da hier nach unserer Einschätzung eine Lücke in dem allgemeinen Literaturbestand besteht. Der seriöse und redliche Umgang mit solchen Publikation  ist selbstverständlich Voraussetzung.

Über unserer Homepage könnt ihr uns auch mailen, wenn ihr Anregungen oder Kritik äußern wollt. Nobody is perfect. Wir freuen uns.

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© 1999 Kay Vogelgesang